Buchkunst nur eine Geldanlage?

Welchen Stellenwert hat Haltbarkeit, Lichtechtheit, Verarbeitung, beim Sammeln von Buchkunst?

Was macht die Seele einer Arbeit aus?

Ist Buchkunst einzig eine Art der Geldanlage?

Ist das Papier des Buches säurefrei?

Sind die Farben lichtecht?

Wurde die Bindung fehlerfrei ausgeführt?

Ist die Qualität des Druckes ohne Mackel?

Ist es ein Tabubruch darüber nachzudenken, wie wichtig es für eine künstlerische Arbeit ist, ein Jahrhunderte überdauerndes säurefreies Papier für ein Kunstwerk verwendet zu haben?

Ist es erst dann ein Kunstwerk, wenn es diese Voraussetzungen erfüllt? Hätten sie als Buchsammler unter diesen Umständen Art Brut oder Collagen von Max Ernst, einen übermalten Holzschnitt von Christian Rohlfs, oder noch früher eine handgeschriebene Bibel gekauft?

Wird eine künstlerische Arbeit nur deshalb weil sie nicht Jahrhunderte überdauern wird, weniger aussagekräftig, hat sie deshalb weniger künstlerischen Gehalt? Ab wie viel garantierten hundert Jahren kann man dann wirklich von einem Kunstwerk sprechen?

Geht man heute durch eine Buchkunstausstellung sieht man immer wieder Arbeiten die diesen Wünschen des Kunstmarktes entsprechen. Manchmal kann man sich selber nicht davon ausnehmen. Es muss ja auch kein Mangel sein, sich nach dem Mainstream als Künstler zu richten, aber es sollte nicht zwingend sein.

Kauft der Sammler wirklich nur aus Gründen einer zukünftig möglichst hohen Rendite?

Um einen möglichst hohen Wiederverkaufswert zu erzielen?

Ist es nicht vielmehr so, dass ein Sammler deshalb einen Kauf tätigt, da er sich im Innersten seines Herzens von der Arbeit in tiefer Art und Weise angesprochen fühlt. Er erlebt das Buch als Gesamtkunstwerk. Ist in so einem Moment nicht das Material, die Haltbarkeit, die Lichtechtheit völlig nebensächlich, für den Käufer, wie für den Künstler? Es stehen sich hier zwei gegenüber, die eine Ebene des Verstehens für sich gefunden haben, die wortlos über das Medium Buch miteinander kommunizieren. Welch ein Gefühl!

Manche Werke können erst deswegen ihre Wirkung entfalten, weil sie gerade auf einfachen Materialen ge- bzw. verarbeitet wurden. Gerade dieser morbide Charakter ist es, ähnlich der oft zitierten Kirschblüte die ebenfalls nicht von Dauer ist, der bei einigen künstlerischen Arbeiten geradezu notwendig ist um die gewünschte künstlerische Wirkung zu erzielen.

Die emotionale Seite eines Kunstwerkes, auch in der Buchkunst, ist das eigentlich entscheidende für einen Kauf, nicht das verwendete Material. Aus diesem Grund möchte ich den Sammler, wie die Buchkünstler zum Nachdenken anregen, was bei einer künstlerischen Arbeit von Belang ist. Besinnen sie sich beim Sammeln auf das, was in der Kunst wesentlich ist. Geldanlage ist in der Buchkunst nicht eine Triebfeder eine Sammlung aufzubauen, dafür finden sich sicher bessere Möglichkeiten auf dem Finanzmarkt.

Besuchen sie deshalb Veranstaltungen wo Buchkunst zum Verkauf angeboten wird. Hören sie auf die Stimme ihres Herzens und sie werden ein kleines Wunder erleben!

Buchkunst verzaubert!

Gerd J. Wunderer