Buchkunst, eine Kunstform voller Dynamik

Ein Bild zeigt das Endprodukt einer Entwicklungsfolge. So wirkungsvoll das Bild auch sein mag, ein Bild ist statisch. Der Betrachter nimmt wahr was ihn in der vorliegenden Arbeit bewegt. Oft sind dabei die Gedanken und Empfindungen des Künstlers nicht mehr, oder nur schwer nachvollziehbar.

In der Buchkunst zeigt sich dagegen eine grundlegend andere Situation. Auch hier sind zwar Bilder sichtbar, aber sie stehen oftmals einem literarischem Kontext gegenüber. Unabhängig vom literarischen Kontext ist dabei die sichtbare Entwicklung innerhalb eines Buches die anhand der Seitenfolge ablesbar wird. Blatt für Blatt verändert sich der Duktus der Schrift, das Ornament, bzw. die Illustration. Manchmal sogar die Haptik der unterschiedlichen Seiten. Bei einem Buch ist, ähnlich einer Skulptur eine ganzheitliche Sinneserfahrung möglich. Obwohl ein Buch auf den ersten Blick ebenfalls statisch ist, entwickelt es beim Durchblättern eine nicht zu unterschätzende Dynamik, literarisch, visuell, haptisch und akustisch. Kaum ein anderes Kunstwerk bietet eine solche Breite der Wahrnehmungsmöglichkeiten wie das Buch in der zeitgenössischen Buchkunst.

Lassen sie sich verwandeln von der Vielfalt der Eindrücke, öffnen sie ihre Sinne und nehmen sie Kunst auf, in einer einzigartigen Weise. So kann sich nur Buchkunst erschließen.

Was ist schöner, als nach getaner Arbeit, am Abend im Sessel zu sitzen, mit einer buchkünstlerischen Arbeit eine tiefgehende geistige Erfahrung zu machen.

Buchkunst verändert ihre Wahrnehmung!

Gerd J. Wunderer